Jan Madeus – Architekturfotografie

Fototermin vorbereiten: Was ich vor der Aufnahme brauche

St_Agnes_Kirche_Berlin_01 St. Agnes Kirche, Berlin, Kreuzberg

Fototermin vorbereiten: Was ich vor der Aufnahme brauche

Kurzantwort: Für einen Architekturtermin brauche ich vier Unterlagen im Voraus — Lageplan, Ansichten, Visualisierungen und Fotos vom Bauzustand. Dazu, wenn die Entfernung es zulässt, eine Vorbesichtigung, bei der ich den Sonnenstand für Fassaden und Innenräume prüfe. Am Termin selbst müssen Zugang, Zeitfenster und Zustand des Gebäudes geklärt sein. Eine Aufnahme dauert je nach Umfang drei Stunden bis einen ganzen Tag.

Ein Gebäude fertigzustellen dauert Jahre. Es zu fotografieren dauert einen Tag — aber nur, wenn dieser Tag vorbereitet ist. Der häufigste Grund, warum Architekturaufnahmen enttäuschen, ist nicht die Kamera. Es ist ein Gebäude, das noch nicht bereit war, und ein Licht, das man nicht bestellen kann.

Dieser Text beschreibt, wie ich einen Fototermin vorbereite und was ich dafür von Ihnen brauche. Er ist als Arbeitsgrundlage gedacht — Sie können ihn an die Bauleitung weitergeben.

Vier Unterlagen, die ich vorab brauche

Ich reise nicht unvorbereitet an. Bevor ich einen Termin plane, sehe ich mir das Gebäude auf dem Papier an.

Lageplan. Aus ihm lese ich die Ausrichtung. Welche Fassade zeigt nach Osten, welche nach Westen, was steht gegenüber und wirft Schatten. Das entscheidet über die Uhrzeit, zu der ich vor dem Haus stehe — noch bevor ich es gesehen habe.

Ansichten. Sie zeigen mir die Proportionen ohne perspektivische Verzerrung. Was ist die Hauptseite, wo sitzen die Öffnungen, welche Kante trägt das Gebäude. Sie verraten außerdem, wie weit ich zurückgehen muss und ob dafür überhaupt Platz ist.

Visualisierungen. Sie sind die interessanteste Unterlage, weil sie zeigen, wie das Gebäude gedacht war. Welche Ansicht wurde gewählt, um es zu erklären? Welche Stimmung sollte es haben? Das muss nicht die Perspektive der Fotografie werden — aber ich möchte wissen, was der Entwurf behaupten wollte, bevor ich entscheide, ob das Bild ihm folgt oder widerspricht.

Fotos vom Bauzustand. Sie sagen mir, ob es Sinn ergibt, einen Termin überhaupt schon zu planen. Ein Gerüst, ein Container, ein aufgegrabener Vorplatz — das sind keine Details, die man später entfernt. Das sind Gründe, den Termin zu verschieben.

Schnitte, Grundrisse und Materialkonzept nehme ich gern mit, wenn sie ohnehin vorliegen. Notwendig sind sie nicht.

Warum ich möglichst zweimal komme

Wenn es die Entfernung erlaubt, besichtige ich das Gebäude vor dem eigentlichen Termin. Nicht mit der Kamera — mit der Frage, wann es aussieht, wie es aussehen soll.

Draußen prüfe ich, wann welche Fassade Licht bekommt und wann sie im Schatten liegt. Dabei helfen Apps, die den Sonnenverlauf über das Jahr abbilden: Sie zeigen nicht nur den heutigen Stand, sondern auch, wie er in zwei Monaten aussieht. Das ist der Unterschied zwischen einem Termin, den man plant, und einem, den man hofft.

Drinnen gehe ich die Räume ab und sehe mir an, wo die Fenster sitzen und wie hell es tatsächlich ist. Innenräume verhalten sich anders als Fassaden: Hier entscheidet nicht der Sonnenstand allein, sondern das Verhältnis zwischen dem Licht draußen und dem drinnen. Ein Raum, der mittags flach wirkt, kann zwei Stunden später funktionieren.

Wie sehr das trägt, zeigt sich an Bauten, die ich für mich selbst fotografiert habe. Bei Werner Düttmanns St. Agnes in Kreuzberg liegt die Südfassade im Winter gegen 14 Uhr im direkten Gegenlicht — wer das weiß, entscheidet vorher, ob er die Silhouette will. Am Mäusebunker in Lichterfelde ist es umgekehrt: Dort zerlegt Sonne die Form, und nur bedeckter Himmel hält sie zusammen. Beides sind Entscheidungen, die man nicht vor Ort trifft, sondern davor.

Fünf Fragen, die vor dem Termin geklärt sein müssen

Diese Punkte kläre ich vor jedem Termin. Sie klingen banal, und genau deshalb bleiben sie oft offen.

  1. Ist der Zugang gesichert? Brauche ich einen Schlüssel, oder ist jemand vor Ort? Wer schließt auf, und wie lange bleibt diese Person erreichbar?
  2. Ist eine schriftliche Genehmigung nötig? Bei fremdem Grund, bei Bestandsgebäuden mit mehreren Eigentümern, bei Innenräumen mit Nutzern.
  3. Wie viel Zeit steht zur Verfügung? Nicht wie viel ich brauche — wie viel das Gebäude hergibt.
  4. Ist das Objekt sauber und fertig vorbereitet?
  5. Kann ich ungestört arbeiten? Oder sind Menschen im oder vor dem Gebäude, mit denen ich rechnen muss?

Die letzte Frage ist keine Bequemlichkeit. Eine Belichtung von mehreren Sekunden verträgt keinen Passanten im Bild, und ein Innenraum, in dem gearbeitet wird, lässt sich nicht in Ruhe aufbauen.

Was am Gebäude bereit sein sollte

Diese Liste können Sie unverändert an die Bauleitung geben.

Außen

Bauzaun, Container, Baumaschinenentfernt
Mülltonnenaußer Sichtweite
Beschilderungvollständig montiert
Wege und Vorflächengereinigt
Bepflanzunggesetzt und gepflegt
Fassade und Fenstergereinigt

Innen

Möblierungvollständig
Leuchtenfunktionsfähig, gleiche Leuchtmittel
Kabel, Kartons, Bauabfallentfernt
Reinigungabgeschlossen
Fluchtwege und Beschilderungfrei und montiert

Der Punkt mit den Leuchtmitteln wird am häufigsten übersehen: Zwei unterschiedliche Farbtemperaturen in einem Raum sind in der Nachbearbeitung nur mit Verlust zu retten. Eine Ersatzlampe, die vor Ort noch getauscht wird, spart eine Stunde am Rechner.

Wie lange ein Termin dauert

Zwischen drei Stunden und einem ganzen Tag. Was den Unterschied macht:

  • Größe des Gebäudes
  • Anzahl der gewünschten Bilder
  • nur Außenaufnahmen oder auch Innenräume
  • Drohnenaufnahmen gewünscht
  • ein kurzer Videoclip zusätzlich

Der eigentliche Taktgeber ist aber das Licht. Wenn die Ostfassade morgens steht und die Westfassade abends, liegen dazwischen zehn Stunden, in denen ich Innenräume und Details fotografiere — oder warte. Das Warten ist kein Leerlauf. Es ist der Teil der Arbeit, der später den Unterschied ausmacht.

Was eine Absage kostet

Ein Termin, der vor Ort abgebrochen werden muss, kostet mindestens einen halben Arbeitstag. Liegt das Objekt weiter entfernt, mehr. Und er kostet oft mehr als das: Die Lichtsituation, auf die hin geplant wurde, kommt je nach Jahreszeit erst in Wochen wieder.

Deshalb die Bitte um einen einzigen Handgriff: Sehen Sie sich das Gebäude kurz vorher selbst an und geben Sie es frei. Das ist der wirksamste Punkt auf dieser ganzen Liste — er ersetzt jede Absprache über Bande und verhindert die Situation, in der Architekt und Bauherr beide annahmen, der jeweils andere habe es geprüft.

Häufige Fragen

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Fototermin?

Wenn das Gebäude fertig ist — nicht wenn es abgenommen ist. Beides fällt selten zusammen. Bepflanzung, Reinigung und Beschilderung entscheiden über das Bild.

Muss ich beim Termin anwesend sein?

Nicht durchgehend. Hilfreich ist es zu Beginn: eine halbe Stunde, in der wir die wichtigsten Ansichten gemeinsam festlegen, spart Rückfragen und Nacharbeit.

Können Menschen in den Bildern sein?

Ja, wenn es gewünscht ist. Leere Aufnahmen betonen Form und Material, Menschen vermitteln Maßstab und Nutzung. Diese Entscheidung sollte vorher fallen, weil sie Termin, Tageszeit und Kleidung betrifft.

Was ist bei schlechtem Wetter?

Kommt darauf an, welches Gebäude. Bedeckter Himmel ist bei Sichtbeton oft die bessere Bedingung. Regen und Wind sind ein Verschiebungsgrund, graues Licht nicht zwangsläufig.

Wie viele Bilder bekomme ich?

Eine kuratierte Auswahl statt einer Festplatte: Gesamtansichten, städtebaulicher Zusammenhang, Fassade, Innenräume, Details, Material. Die Zahl vereinbaren wir vorher, weil sie die Termindauer bestimmt.

Sie planen eine Dokumentation? Beschreiben Sie mir kurz das Objekt, den Fertigstellungstermin und wofür die Bilder gebraucht werden — dann sage ich Ihnen, welcher Zeitraum sinnvoll ist. Zum Kontakt, oder vorab ein Blick auf die Leistungen.

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