Eine fotografische Serie · Berlin
Beton, Licht, Stille. Ich fotografiere Bauten als Bilder —nicht als Dokumente.
Die Serie
Berlin baute seine Nachkriegsidentität aus Beton. Zwischen 1957 und 1981 nutzten zwei politische Systeme dasselbe Material, um Gegensätzliches zu sagen — und hinterließen der Stadt einige der kompromisslosesten Bauten Europas.
Sechs brutalistische Gebäude in Berlin, zwischen Tiergarten und Lichterfelde, zwischen Ost und West. Diese Serie fotografiert sie so, wie sie gedacht waren: als Ideen. Masse, Proportion und vor allem Licht — das eine Element, das ihre Architekten nicht gießen konnten. Jede Aufnahme hier wartet auf die Stunde, in der Beton aufhört, grau zu sein.
Das Register
Sechs Bauten, in der Reihenfolge, in der die Stadt sie errichtete. Architekt, Jahr, Bezirk — die Zuschreibung gehört zum Bild.

Kongresshalle
- Architekt
- Hugh Stubbins
- Jahr
- 1957
- Bezirk
- Tiergarten
Hier beginnt das westliche Kapitel der Berliner Nachkriegsmoderne: ein weit geschwungenes Betondach, konstruiert bis an die Grenze seiner Zeit. Die Berliner beantworteten das Pathos mit einem Spitznamen — die schwangere Auster. Frontal fotografiert, reduziert sich der Bau auf Linie, Kurve und Schatten.
Gebaut als amerikanischer Beitrag zur Interbau 1957, ein Geschenk an den Westen der Stadt — und ein Versprechen, das die Statik nicht halten konnte: 1980 stürzte der Südrand des Daches ein, 1987 wurde es rekonstruiert. Seit 1989 arbeitet darin das Haus der Kulturen der Welt. Das beste Licht kommt von der Spree her, am späten Nachmittag, wenn die Schale hell steht und der Sockel schon im Schatten liegt.

Corbusierhaus
- Architekt
- Le Corbusier
- Jahr
- 1958
- Bezirk
- Westend
Le Corbusiers Berliner Unité — 530 Wohnungen in einem einzigen Betonrahmen, errichtet für die Interbau. Die Fassade ist ein Raster, das Geduld belohnt: zur richtigen Stunde werden die Loggien zu einem Feld kleiner Bühnen, jede anders beleuchtet.
Die Unité d’habitation „Typ Berlin“ war für das Hansaviertel gedacht und dafür zu groß; sie landete am Olympiastadion. Le Corbusier ging auf Distanz, als Berlin seine Modulor-Maße aufgab — die Geschosse wurden höher, als er sie wollte. Fotografisch ist das gleichgültig: Was zählt, ist die Tiefe der Loggien. Streiflicht am Vormittag zeichnet jede einzelne nach; mittags fällt die Fassade zur Fläche zusammen.

St. Agnes
- Architekt
- Werner Düttmann
- Jahr
- 1964–67
- Bezirk
- Kreuzberg
Ein fensterloser Monolith, der Licht zum Ereignis macht. Mittags fällt die Sonne durch die schmalen Öffnungen, und der rohe Beton beginnt zu glühen — der Bau, der mich lehrte, dass in der Architekturfotografie das Timing über alles entscheidet. Heute beherbergt er die König Galerie. Diese Serie beginnt, genau genommen, hier.
2004 entwidmet, ab 2012 von Arno Brandlhuber umgebaut, seit 2015 die König Galerie — der Kirchenraum wurde durch eine eingezogene Decke zur Halle. Von außen blieb alles: der geschlossene Kubus, der Campanile, das Rot des Ziegelbodens. Wie ich dort mit dem Wintergegenlicht gearbeitet habe, steht in St. Agnes Kirche: Licht ist kein Werkzeug.

Fernsehturm
- Konzept
- Hermann Henselmann
- Jahr
- 1969
- Bezirk
- Mitte
Die Antwort des Ostens, von überall sichtbar. Direkt von unten fotografiert, verliert das meistfotografierte Gebäude der Stadt seine Postkartenqualität und wird, was es baulich ist: ein 368 Meter hoher Betonschaft, der eine Kugel trägt. Der ungewohnte Blickwinkel gibt dem Vertrauten seine Architektur zurück.
Hermann Henselmanns Idee, ausgeführt von Fritz Dieter und Günter Franke; eröffnet im Oktober 1969, 368 Meter, damals der zweithöchste Fernsehturm der Welt. Die verchromte Kugel zeigt bei Sonne ein Kreuz aus Reflexen — West-Berlin nannte es „die Rache des Papstes“. Für die Serie interessiert mich nicht die Kugel, sondern der Schaft: Sichtbeton, der über 200 Meter nichts anderes tut, als aufrecht zu stehen.

ICC Berlin
- Architekten
- Ralf Schüler, Ursulina Schüler-Witte
- Jahr
- 1975–79
- Bezirk
- Charlottenburg
Ein maschinenförmiger Bau, 320 Meter lang — West-Berlins Beweis, dass es noch groß bauen konnte. Halb Raumschiff, halb Infrastruktur, fotografiert er sich am besten als das, was er ist: eine Landschaft aus wiederholten Elementen, Silber auf Grau, wartend auf sein zweites Leben.
1975 bis 1979 gebaut, 2014 geschlossen, seit 2019 unter Denkmalschutz — ein Bau, der auf seine Zukunft wartet, wie fast jeder in dieser Serie. Die Aluminiumhaut reagiert auf jede Wolke: Bei bedecktem Himmel wird das ICC zur grauen Maschine, bei tiefer Sonne zur Skulptur. Ich fotografiere es von der Messedamm-Seite, wo die Fluchttreppen den Rhythmus vorgeben.

Mäusebunker
- Architekten
- Gerd & Magdalena Hänska
- Jahr
- 1971–81
- Bezirk
- Lichterfelde
Berliner Brutalismus in seiner kompromisslosesten Form: ein festungsartiges Laborgebäude, Lüftungsrohre wie Kanonen ausgerichtet. Lange vom Abriss bedroht, heute das Sinnbild der Brutalismus-Debatte — ein Bau, der einen zwingt, Position zu beziehen. Die Kamera eingeschlossen.
1971 bis 1981 als Zentrale Tierlaboratorien der Freien Universität gebaut, seit 2019 leer, seit Mai 2023 unter Denkmalschutz. Zu sehen ist er nur von der Krahmerstraße und vom Teltowkanal aus — und nur bei bedecktem Himmel hält die große Form zusammen. Wo er steht, ob man ihn besichtigen kann und was aus ihm werden soll: Mäusebunker Berlin – das Haus, das kaum jemand sieht.
„Ich fotografiere nicht, wie ein Gebäude aussieht. Ich fotografiere,was es bedeutet.“
Jan Madeus — Fine-Art-Architekturfotografie, Berlin
Hintergrund in Malerei und Grafik · Ich fotografiere Ideen
Auftragsarbeiten
Bauten als Bilder behandelt, mit der Aufmerksamkeit für Material und Licht, für die diese Serie steht — für Architekturbüros, Planungsbüros und Projektentwickler. Sitz in Berlin, international tätig.
Architekturfotografie für Architekturbüros, Bauplaner und Projektentwickler. Wenn Ihr Gebäude mehr verdient als Dokumentation — schreiben Sie mir.
